Stiftung Zukunftserbe

Dokumentarfilm "Roadside Radiation"

Am 26. April 1986 explodierte der Reaktor IV des Kernkraftwerks Tschernobyl. Die Havarie hat bis heute unzählige Leben gefordert und noch immer leiden die Betroffenen unter den schwerwiegenden Folgen. Die Katastrophe bedeutete eine Zäsur und führte, zumindest in der Bundesrepublik, zur Entstehung einer breiten Anti-Atom-Bewegung, einer stärkeren Auseinandersetzung mit den negativen Folgen der Kernkraft und zu einem wachsenden Aktivismus zahlreicher Bürger in umwelt- und sozialpolitischen Belangen.

Gleichzeitig war und ist die Havarie ein beispielloses Medienereignis, das einen bemerkenswerten Niederschlag in sämtlichen Mediengattungen gefunden hat. Diese Katastrophe und ihre Folgen führte zu einer filmischen bzw. dokumentarischen Aufarbeitung, in deren Folge zahlreiche Filmproduktionen erschienen sind, die verschiedenste Personen und Aspekte, historische Verläufe, Hintergründe und Folgen der Katastrophe beleuchtet haben. Erstaunlich erscheint allerdings, dass nahezu allen Produktionen ein gemeinsamer Narrativ zugrunde liegt, der seit den Ereignissen im Jahr 1986 nur sehr wenig weiterentwickelt worden ist. Die elementaren Grundthemen sind dabei die völlige Verlassenheit und Menschenleere der Tschernobyler Sperrzone, die Objektivierung der Überlebenden als passive Opfer der Katastrophe, die Zurückhaltung in Bezug auf die schwerwiegenden psychologischen Folgen der Katastrophe auf die Betroffenen, die nahezu vollständige Ausblendung des beschwerlichen und oftmals gefährlichen Lebensalltags in, um und mit der Sperrzone und die sich dabei herausbildenden Interaktionsmuster mit dem Ort wie beispielsweise dessen systematische Plünderung, dessen zunehmende touristische Nutzung und zahlreiche andere Aspekte.



Diese Leerstellen der Darstellung möchte der Dokumentarfilm Roadside Radiation der earlybirdpicutres GBR füllen und den Menschen, die bis heute tagtäglich mit den Folgen der Katastrophe leben müssen, ein Portrait widmen. Dabei sollen Sie bewusst als Subjekte ihres alltäglichen Lebens gezeigt werden, als aktive und eigenverantwortlich handelnde Personen, die mit vielfältigen psychologischen und physiologischen Beschwernissen in ihrem Leben zu kämpfen haben. Dieser Film möchte den Ort der Katastrophe nicht länger als geographisch und demographisch scharf abgegrenzte Zone zeigen, sondern vielmehr die widersprüchliche und absurde Realität einer Sperrzone zu beleuchten. Dadurch soll verhindert werden, Tschernobyl mit zunehmender Zeit als abgeschlossenes Ereignis und die hiervon Betroffenen als unmündige Opfer der sie umgebenden Ereignisse zu betrachten. Tschernobyl ist eben nicht allein eine technische Erzählung, eine medizinische oder politische. Es ist vor allem eine menschliche Erzählung - vor allem eine sehr individuelle.

Der dreißigste Jahrestag 2016 bietet eine besondere Gelegenheit, die andauernden Folgen der Katastrophe wieder in die öffentliche Diskussion einzubringen und gleichzeitig mit einer neuen Narration der Ereignisse, nämlich einer Darstellung des heutigen Lebens in und um die Zone, einer Historisierung der Katastrophe und damit auch deren inhaltlicher Aushöhlung entgegenzuwirken. Denn das öffentliche Interesse an der Katastrophe und ihren Folgen hat in den letzten Jahren erheblich nachgelassen.

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